Parkuhr-Blog

Nimm’ einen Groschen und erzähl’ das der Parkuhr…

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Feldfernsprecher FF33

FF33 komplett

FF33 komplett

Dies ist der Feldfernsprecher, den die deutsche Wehrmacht im 2. Weltkrieg im Einsatz hatte. Der Typenbezeichnung nach gehe ich davon aus, daß er ab 1933 gebaut wurde – auf jeden Fall stammt mein Exemplar schon aus den kurzen 1000 Jahren des Dritten Reiches, denn auf fast allen größeren Teilen und Baugruppen sind Reichsadler und Hakenkreuz zu sehen – auf den Fotos hier laternich nicht, damit mir nicht irgend ein Anwalt ans Bein pinkelt.

Der FF33 besitzt einen Kurbelinduktor zur Erzeugung der Rufspannung und ist für den Betrieb mit Ortsbatterie ausgelegt. Eine originale Batterie habe ich leider nicht. Es gab dafür die sog. Feldbatterien mit 1,5 Volt, also läßt er sich auch mit einer normalen Monozelle betreiben, an die man kurze Aderstückchen anlötet und an die Klemmen im Batteriefach schraubt.

FF33 mit geöffnetem Deckel

FF33 mit geöffnetem Deckel

Ich bekam ihn als Geschenk „wie aufgefunden“, es war einiges an Arbeit notwendig. Ich kenne fast jede Schraube und jedes Blechteilchen an ihm, denn ich hatte ihn ziemlich komplett auseinander zwecks Lackierung des Chassis, der Seitenklappen und sämtlicher Anbauteile.

Elektrisch war im Grunde alles in Ordnung, doch die Schnur des Handapparates mußte ersetzt werden.

ff33_03Unter der Klappe links mit den beiden Knöpfchen ist das Fach für die Batterie. Die beiden großen Rändelmuttern in der Mitte sind die Anschlußklemmen für die Telefonleitung. Der weiße Knopf ist die Prüftaste; drückt man ihn und dreht gleichzeitig die Induktorkurbel, so muß der eigene Wecker ertönen. Tut er es nicht, sind entweder Induktor oder Wecker kaputt. Wenn man aber beim Kurbeln mit dem Finger an die Klemmen kommt, merkt man schnell, was von beiden im Eimer ist – funktioniert der Induktor, bekommt man nämlich ziemlich eine gewischt! So können bei zügigem Kurbeln an den Klemmen gut über 100 Volt Rufwechselspannung anliegen, und ein bißchen Strom liefern kann so ein Induktor auch, weil er je nach Einsatzgebiet durchaus mal bis zu 10 Wecker zum Bimmeln kriegen muß.

Die Kurbel ist hier nur zum Transport eingesteckt. Sie wird zum Betrieb in eine Öffnung an der rechten Gehäuseseite eingeschraubt, die durch eine schwenkbare Abdeckung geschützt wird – wie auch die Buchsen auf der Frontseite, in die Klinkenschnüre zur Verwendung als Vermittlungsapparat eingesteckt werden können.

ff33_04Hier einmal das ausgebaute Chassis, die Blechklappen sind entfernt. Der rote Klotz ist der Kurbelinduktor, etwa mittig der Wecker mit den beiden Glockenschalen.

ff33_05So sieht er dann betriebsbereit aus: Die Feldleitung ist angeschlossen, der Deckel zugeklappt und der Handapparat aufgelegt. Eine Gabel und einen Gabelumschalter, der beim Auflegen den Sprechkreis unterbricht, gibt es hier nicht, im Gegenteil: Man muß zum Sprechen eine Taste am Handapparat drücken. Diese „umgekehrte Logik“ dient beim Militär laternich auch dem Abhörschutz: Solange keiner die Sprechtaste drückt, bekommt das Mikrofon auch keinen Strom.

ff33_06Und hier noch, weil’s so schön ist und auch ‘ä’, ‘ö’, ‘ü’ und sogar ‘ch’ und ‘sch’ berücksichtigt, die gute alte deutsche Buchstabiertabelle von Anton bis Zeppelin. Unverlierbar auf dem Gehäusedeckel aufgenietet und beim Gespräch immer im Sichtbereich.

Zwei solcher Geräte können direkt über eine Zweidrahtleitung (oder Eindraht/Erde) miteinander verbunden werden. Wer sprechen will, kurbelt, und beim Gegenüber klingelt’s. Oder sie werden an eine Vermittlung angeschlossen.

13 Kommentare

  1. Hachz… ich komme gerade ins Träumen. Einfach nur hammerhart, sowas! Auch das Telefon. Meine Eltern hatten noch so ein Teil in schwarz…

    Okay, ich nehm mein mittwöchliches Schaumbad und träume von der “guten, alten Zeit”…

  2. Christian sagt:

    Hallo,
    tolles Gerät und super schön restauriert.
    Ich habe hier 2 davon bei denen die Lackierung innen aber böse gelitten hat und die Metallteile außen schon stark angerostet sind. Ich möchte nun alles abbauen, entrosten und neu lackieren.
    Von daher meine Frage: wie wurde dieser FF33 lackiert?
    Viele Grüße

    • Dirk sagt:

      Ich habe die Teile gereinigt und mit schwarzem Lackspray überzogen. Wenn Du starken Rost an den äußeren Anbauteilen hast, läßt sich dieser mit Zitronensäure lösen. Teile einlegen, über Nacht liegenlassen, spülen und abbürsten. Evtl. Behandlung wiederholen, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Danach mußt Du allerdings vorweg grundieren.

  3. Christian sagt:

    Danke für die blitzschnelle Antwort.
    Lackspray ganz normal aus dem Baumarkt? Hochglanz oder Seidenmatt?
    Ich überlege mir ob ich die Teile eventuell zu einem Lackierbetrieb gebe, dann hält der Lack bestimmt um einiges besser.

    • Dirk sagt:

      Ich hab’ Seidenmattlack aus dem Baumarkt genommen. Bislang – und das sind nun schon über 15 Jahre – hält er. Klar, das Teil steht ja auch nur im Haus.

  4. Christian sagt:

    Super, danke für die Infos. Ich werd das Projekt im Sommer angehen wenn das Wetter gut genug ist um auf dem Balkon sprayen zu können ;-)
    GRüße,
    Christian

  5. Falkenmann2712 sagt:

    Aus wechem Material besteht das Gehäuse ???.

    Ich habe eine Wehrmachtslampe auf der ein kleines Hakenkreuz ist. Die Lampe ist aus dem gleichen Material.

    Über eine Nachricht würde ich mich freuen.

    M.f.g
    Hans-Juergen

  6. Christian sagt:

    Hallo,
    das Material ist Bakelit, eine Mischung aus Phenolharz und Füllstoffen.

    Ich hätte übrigens an der Lampe Interesse. Falls Sie sie für meine Sammlung verkaufen würden, würde ich mich über Kontaktaufnahme freuen.
    Meine Email (nicht wundern, das ist eine Anti-Spam Adresse die auf meine richtige Adresse umleitet):
    “lampe.5.paintball2@spamgourmet.com”

    Viele Grüße,
    Christian

  7. Falkenmann2712 sagt:

    Hallo Christian,
    Ich möchte die Lampe verkaufen. Ich hatte Ihnen Fotos der Lampe gesendet.
    Sind die angekommen ?. Wenn nicht, an welche Email- Adresse soll ich Sie schicken.
    Der Preis für die Lampe( Machen Sie mir ein Angebot )
    Nachricht bitte an meine Email – Adresse.

    M.f.g

  8. Helmut sagt:

    Hallo!
    Ich besitze auch so ein Teil
    Aber wie es mir scheint ist der Wecker innen lose
    und ich bekomme nicht das Innenleben aus dem Gehäuse.
    Die Kurbel ist schon abmontiert.
    Hast du einen Tipp an was es hackt.
    Danke!

  9. Christian sagt:

    Alle Schrauben von oben lösen und die 2 Messingkontakte für den Strom auch abschrauben, dann kräftig aber mit Gefühl ziehen.
    Wenn es aber ein Dekostück ist und Funktion nicht wichtig, würde ich das lassen, meist zerkratzen die Schrauben, oder nachher bricht nochwas – das mindert alles den Wert und die Optik.

    Grüße,
    Christian

    http://www.brotbeutel.info

  10. Mario sagt:

    Hallo zusammen,
    ich habe selbst mehrere solcher Telefone, die auch funktionstüchtig sind. Ich möchte gern noch eine Ergänzung zur weißen “Prüftaste” machen. Der eigene Apparat klingelt beim Kurbeln, wenn eine Leitung angeschlossen ist, an deren Ende sich ein weiterer Feldfernsprecher befindet. Über entsprechende Entfernungen im feldmäßigen Betrieb war es ja nicht möglich festzustellen, ob die Leitung noch steht, oder sich noch ein Gegenstück am anderen Ende der Leitung befindet.
    Merke: Ertönt bei angeschlossener Telefonleitung kein Klingeln im eigenen Telefon; Feldfernsprechleitung defekt oder kein anderer Apparat endseitig angeschlossen. Sollte sich auf dem eigenen Apparat die Kurbel übrigens nur mit sehr hohem Widerstand drehen lassen, so besteht ein Kurzschluß im eigenen System. Das Gerät läßt sich alternativ über kürzere Entfernungen auch mit nur einer 1,5 Volt Monozelle im Sprechbetrieb betreiben.
    Die Kommunikation ist auch mit verschiedenen Feldfernsprechern möglich. So z.B. auch Wehrmachtsfeldfernsprecher mit Feldfernsprecher Bundeswehr usw. Einfach ausprobieren.

    Beste Grüße von Mario

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